Elgato Wave Go: Mic over matter

Elgato Wave GoElgato Wave Go

Wer schon mal mit einem klobigen Funkmikrofon-Set auf Achse war, weiß, wie schnell das Vergnügen am eigenen Equipment enden kann. Man schleppt Sender, Empfänger, Ladecase und Kabel mit sich, verbringt mehr Zeit mit dem Setup als mit dem eigentlichen Dreh und am Ende klingt das Ergebnis trotzdem nach Handyvideo. Elgato versucht mit dem Wave Go, dieses Problem von einer anderen Seite anzugehen. Nicht durch mehr Features, sondern durch weniger Aufwand und eine „immer dabei“-Garantie, ohne wortwörtlich ins Gewicht zu fallen..

Der Sender des Wave Go ist 20 mal 29 mal 12 Millimeter klein und wiegt gerade mal sieben Gramm — ungefähr so viel wie ein AirPod. Er steckt per Magnetclip am Kragen oder Ausschnitt, verbindet sich automatisch mit dem USB-C-Empfänger am Smartphone, und man kann innerhalb von ein bis zwei Minuten aufnehmen, ohne eine Einstellung berührt zu haben.

Das Besondere daran ist der mitgelieferte Smart Handle: ein Griff, in den man den Sender hineinsteckt und der ihn damit in ein vollwertiges Handmikrofon verwandelt. Man schraubt den Griff auf, führt den Sender ein, schraubt zu – und hält statt eines Ansteckmikrofons ein Reporter-Mikrofon in der Hand, das sich für Interviews, Moderationen oder spontane Außensituationen eignet. Und wer die Plastikgriffel kennt, auf die man sein RØDE Wireless Go steckt, wird sich darüber freuen, dass nicht nur ein sinnbefreites Stück Plastik ist, sondern neben einem echten Aufnahmeknopf auch als externer Akku dient, der die Laufzeit des Senders von acht auf bis zu 40 Stunden verlängert. Das kauft man bei anderen Herstellern extra, falls überhaupt verfügbar, hier gehört es zum Lieferumfang. Fun Fact und so beim buddy-Test passiert: Wer nicht genau hinschaut, könnte das Wave Go auch mit einer Maglite verwechseln. Ach so, der obligatorische Windpuschel gehört natürlich auch dazu.

Ach so, Thema: Ausgeklügelter Lieferumfang. Die – in unserem Fall blaue, weil limitierte – Transportbox ist gleichzeitig die Ladeschale für Mikrofon und Smart Handle. So braucht es weniger Kabel in der Praxis.

Ist this thing on?

Was den Klang angeht, überrascht das Wave Go angenehm: Die Aufnahmen klingen voller und lauter als die des DJI Mic Mini, das Rauschfilter arbeitet effektiv, und der leichte Bassanteil gibt Stimmen eine Präsenz, die man bei einem Gerät dieser Größenklasse nicht unbedingt erwartet. Wer mit Wave Link auf dem Computer arbeitet, kann zusätzlich die Voice-Focus-Rauschunterdrückung aktivieren. Die omnidirektionale Kapsel nimmt dabei den Raum mit auf — in ruhigen Umgebungen ist das kein Problem, in lauter Umgebung hört man die Umgebung deutlich.

Das Wave Go ist klar auf Smartphone- und Laptop-Nutzer ausgerichtet. Der USB-C-Empfänger lässt sich an Android-Geräte ab Android 8, iPhones ab iOS 17 und Windows- oder macOS-Rechner anschließen. Für Kameras, DSLRs oder spiegellose Systeme gibt es keinen Ausgang. Das ist in diesem Fall kein Versehen, sondern eine Designentscheidung, die man kennen sollte, bevor man auf den „Bestellen“-Button klickt. Mobile Creator werden sich aber eh fragen, wofür man eine Klinke-Verbindung im Jahr 2026 noch braucht.

Einen kleinen Haken hat das Gerät in unseren Augen: Wer auf eine interne Sicherungsaufnahme angewiesen ist, schaut hier in die Röhre. Bricht die Funkverbindung ab, ist das Audio weg – und im schlimmsten Fall merkt man es zu spät, nämlich erst im Schnitt. Vergleichbare Geräte wie das Rode Wireless GO der dritten Generation oder das DJI Mic 3 speichern eine Kopie direkt im Sender – das Wave Go tut das nicht. Für Situationen, die sich nicht wiederholen lassen, ist das ein ernstes Argument gegen das Gerät und vielleicht Punkt, auf den Elgato in der nächsten Gerätegeneration eingehen wird.

Wer diese Einschränkungen kennt und mit ihnen leben kann, bekommt für extrem budgetfreundliche 99,99 Euro eines der kompaktesten und bedienerfreundlichsten Funkmikrofon-Sets auf dem Markt. Ein zweiter Sender ist für 29,99 Euro erhältlich und ermöglicht Zwei-Personen-Setups, die Wave-Go-App verwaltet beide, auch wenn ihre Einstellungsmöglichkeiten bisher noch recht schlank ausfallen. Aber das ist Teil der Software, die sich bekanntlich nachbessern lässt. Von daher sollte man diesen Punkt nicht so sehr in die Kaufentscheidung einfließen lassen.

Was ist also unser abschließendes Fazit: Wer vom geräteinternen Mikro genervt ist - und wer ist das nicht? - macht mit dem Elgato Wave Go einen großen Schritt in Richtung Audioqualität für ein annähernd unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis, wenn man um die technische Restriktion der fehlenden Backup-Aufnahme weiß und damit leben kann.

Elgato Wave Go

Funkmikrofon · USB-C · ab 99,99 €

7.5
von 10 – Gut

Technische Daten

Kapsel

6 mm Elektret

Richtcharakteristik

Omnidirektional

Abtastrate

48 kHz / 24 Bit

Latenz

≤ 24 ms

Akku Sender

ca. 8 h

Akku mit Handle

ca. 40 h

Gewicht Sender

7 g

Reichweite

ca. 30 m

Wertung im Detail

Klangqualität
8.0
Handhabung & Setup
9.0
Portabilität
9.5
App & Einstellungen
6.0
Preis-Leistung
7.5

Pro & Contra

Pro

  • Nur 7 g – kaum spürbar am Kragen
  • Clip-on & Handmikrofon in einem
  • Guter Klang für die Geräteklasse
  • Setup in unter 2 Minuten
  • Bis zu 40 h Akku mit Smart Handle
  • USB-C Passthrough-Laden

Contra

  • Kein Kameraanschluss (nur USB-C)
  • Kein interner Speicher / kein Backup
  • App-Einstellungen sehr begrenzt
  • Mattes Gehäuse zieht Fingerabdrücke

→ Zum Hersteller: elgato.com