Du bekommst die Band aus der Scheune, aber die Scheune anscheinend nicht aus der Band. Manchmal braucht es einen gebrochenen Knochen, um wieder zu sich zu finden. Als Caleb Followill sich verletzt und Kings of Leon ihre Pläne für ein weiteres elektrisches Album vorerst auf Eis legen müssen, greift Followill aus Langeweile zur akustischen Gitarre – und plötzlich sind da Songs, mit denen niemand mehr angesichts der letzten Alben gerechnet hat. Die einem der Algorithmus demnächst vorschlägt, wenn man vorher The Coral, Iron & Wine oder Nick Drake gehört hat.
Denn was aus den akustischen Skeletten entstanden ist, klingt wie ein Innehalten nach Jahren, in denen die Stadien zwar immer größer wurden, die kreative Bandbreite aber auf ein Mindestmaß schrumpfte. „O My Beloved“ ist die Musik gewordene Stopptaste für diese Spirale: zurückhaltend, warm, manchmal melancholisch, aber nie selbstmitleidig.
Kings of Leon haben ihr zehntes Album selbst produziert, und man spürt, dass hier niemand mehr jemandem etwas beweisen wollte. Stattdessen geht es um Kindheitserinnerungen, Wurzeln und Familie — Themen, über die man gerne erst dann redet, wenn man alt genug ist, sie ohne Sentimentalität anzufassen.
Der diesem Album innewohnende Witz der Bandgeschichte ist: Damit sind sie gedanklich so dicht an „Youth And Young Manhood“ wie seit keinem danach mehr erschienen Album, nur ist der adoleszente Druck raus. Für alle, die nach „Can We Please Have Fun“ oder „When You See Yourself“ kurz gezweifelt haben: das hier klingt wieder nach einer Band, die weiß, was sein will, und sei damit allen empfohlenen, die auf der Suche nach einem Album auf Repeat für lange Herbstspaziergänge sind.

Kings of Leon
„O My Beloved“
06.11.2026 / CD, Vinyl, digital

