Beats 360 im Test: Kein AirPods-Max-Killer, aber trotzdem verdammt gut

Schwarzer Beats 360 Over-Ear-Kopfhörer auf einem HolztischBeats 360 in Schwarz: der Over-Ear-Kopfhörer im Test. Foto: buddy-Redaktion

Clickbaity Überschriften titulieren die Beats 360 als AirPods-Max-2-Killer. Bei diesem euphorischen Aufschrei machen wir nicht mit. Was die 360 tatsächlich sind: sehr gute Over-Ear-Kopfhörer mit einem klaren Profil – und einem Makel, der nicht zu überhören ist.


Das Hype-Building war einmal mehr Apple-würdig. Wer die Beats 360 in den Wochen vor dem offiziellen Launch einordnen wollte, hatte keine Chance: Die Kopfhörer tauchten unkommentiert an den Köpfen diverser Fußballspieler während der WM auf, niemand konnte das Modell so recht einordnen, und Beats schwieg eisern. Alles richtig gemacht.

Seit dem 24. September 2026 sind die Beats 360 in den Farben Schwarz, Wolke, Pink und Himmelblau für 349,95 Euro erhältlich – online und im Handel. Unser Testmodell kam in Schwarz, ergänzt durch die zusätzlichen Performance-Knit-Polster-Sets in Volt und Schwarz Plush, die als separate Cushion Kits für je 59,95 Euro erhältlich sind. Was in anderen Ländern Apple selbst als Werbeaktion fährt, übernimmt hierzulande Amazon: Weitere Polster-Sets sind für 9,99 Euro aktuell zu haben. Hier lohnt es sich wahrscheinlich, schnell zu sein – denn einen genauen Endtermin für diese Aktion findet man auf der Seite nicht.


Die Polster: Gimmick für Fashionistas oder echter Mehrwert?

Das auffälligste Merkmal der Beats 360 ist ihre Anpassbarkeit: Sowohl die Ohrpolster als auch der Kopfbügel lassen sich austauschen – erstmals bei einem Beats-Over-Ear-Modell. Das klingt nach einem Verkaufsargument für Fashionistas, funktioniert im Alltag aber tatsächlich über das Optische hinaus.

Standardmäßig kommen die 360 mit gestrickten Performance-Knit-Polstern, die in sechs Farben verfügbar sind – darunter das auffällige Volt-Gelb und ein zurückhaltendes Navy. Das Material ist atmungsaktiv und leicht, was das Tragegefühl nach Stunden aus unserer Erfahrung noch angenehm hält. Die alternative UltraPlush-Variante mit glatter Kunstlederoberfläche schließt dichter ab, isoliert stärker und eignet sich deshalb besser für Situationen, in denen das Noise-Cancelling maximale Unterstützung gebrauchen kann – Coworking-Spaces, Bahn, Flieger.

Beide Polster-Sets sind schnell und ohne Werkzeug gewechselt. Ob man sich für verschiedene Anwendungsfälle tatsächlich mehrere Sets kauft, hängt am eigenen Anspruch. Als Tragekomfort-Unterschied zwischen Trainingseinheit und Pendeln ist die Logik aber durchaus nachvollziehbar.


Klang: Erwachsener als der Ruf

Klanglich liefern die 360 eine Überraschung, wenn man weiterhin mit dem Klischee älterer Beats-Modelle um die Ecke kommt. Der Hip-Hop-Drive früherer Generationen – der kompromisslose Bass im Vordergrund, der allem anderen den Rang abläuft – ist weg. Das war aber ehrlicherweise auch schon beim Beats Pro Studio schon so, den wir ebenfalls für buddy getestet haben. Die Abstimmung ist nun aber nochmal ausgewogener, erwachsener, und funktioniert erstaunlich gut quer durch unterschiedliche Genres: von Neo-Klassik bis Post-Rock sitzt die Balance. Für analytisches Hören ist das trotzdem der falsche Kopfhörer – dafür fehlt die letzte Präzision in den Mitten und die nötige Neutralität. Aber wer Musik genießen statt sie studieren will, ist hier besser aufgehoben als der Markenruf bei dem ein oder anderen immer noch vermuten lässt.

Beats 360 in Schwarz: der Over-Ear-Kopfhörer im Test.
Beats 360 in Schwarz: der Over-Ear-Kopfhörer im Test. Foto: buddy-Redaktion

Das personalisierte 3D-Audio mit dynamischem Head-Tracking setzt noch einmal einen drauf. Unterstützte Inhalte gewinnen merklich an Räumlichkeit, die Bühne öffnet sich, einzelne Elemente lösen sich weiter vom Kopf. Das ist keine Spielerei, sondern ein spürbarer Mehrwert bei entsprechend abgemischtem Material. Und dabei vergisst man immer noch einen weiteren Einsatzzweck: Wer den Kopfhörer mit seinem Apple TV koppelt, trägt praktisch sein komplettes Surround-Kino auf den Ohren und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie weiträumig und mit wie viel Punch dieser Kopfhörer das Gezeigte inszenieren kann.


ANC und Transparenzmodus: Zwei starke Seiten

Das Noise-Cancelling ist für den Alltag mehr als ausreichend – Beats spricht von 1,75-fach stärkerer Geräuschunterdrückung gegenüber dem Studio Pro, was im Praxistest spürbar zutrifft.

Das eigentliche Highlight ist aber der Transparenzmodus. Umgebungsgeräusche werden so natürlich übertragen, dass zeitweise tatsächlich das Gefühl entsteht, überhaupt keinen Kopfhörer zu tragen – Stimmen klingen weder blechern noch unnatürlich verstärkt, die eigene Stimme bleibt angenehm. Für Gespräche, Durchsagen am Bahnhof oder alle Situationen, in denen man die Umgebung bewusst wahrnehmen will, ist das eine der überzeugendsten Implementierungen in dieser Preisklasse.


Das Grundrauschen: Ein Makel, der nicht zu überhören ist

Hier muss man ehrlich sein. Bei unserem Testmodell ist bei aktiver Bluetooth-Verbindung ein hörbares Grundrauschen präsent – ein leises, aber wahrnehmbares Rauschen im Hintergrund, das bei ruhigen Passagen und in stillen Räumen auffällt. Für manche Käufer wird das direkt ein K.O.-Kriterium ab Werk sein, und das ist eine Reaktion auf ein Gerät in dieser Preisklasse, die man nicht vom Tisch wischen kann. Ob das ein serienübergreifendes Problem oder ein Exemplar-spezifisches Phänomen ist, lässt sich auf Basis eines einzelnen Testgeräts nicht abschließend beurteilen – aber der Hinweis gehört der Fairness hierher, egal, wie sehr uns das Gesamtpaket ansonsten gefällt. Wobei wir auch die Wette eingehen würden, dass es Hörer geben wird, die das nicht bemerken.


Bedienung: Form schlägt Funktion

Die Steuerelemente folgen dem Look des Gehäuses: klein, nahtlos integriert, optisch unauffällig. Das ist eine bewusste Entscheidung für Form über Funktion. Vier haptisch weitgehend uniforme Tasten bedeuten, dass man sich ihre Anordnung erst verinnerlichen muss – eine intuitive Blindbedienung, wie man sie von Kopfhörern mit unterschiedlich geformten Bedienelementen kennt, stellt sich nicht spontan ein. Zum Vergleich: Einen Sonos Ace hatten wir nach kürzerer Eingewöhnungszeit sicherer im Griff. Wer viel im Alltag zwischen ANC, Transparenz und Wiedergabe wechselt, wird das in den ersten Wochen spüren. Die Materialanmutung ist hingegen über jeden Zweifel erhaben: Hier quietscht und karrt nichts, hier sieht man nur minimale Spaltmaße und langlebige Materialkombinationen. Selbst das erste zögerliche Wechseln des Kopfbandes macht klar, dass man auch bei täglichem Gebrauch keinen Materialbruch zu befürchten hat.

Vorderansicht mit gestrickten Polstern und seitlichen Bedientasten.
Vorderansicht mit gestrickten Polstern und seitlichen Bedientasten. Foto: buddy-Redaktion

Ebenfalls zu erwähnen und auch so ein vermeintliches Extra, auf das wir erst so bewusst stoßen, weil es nicht da ist:: Eine Trageerkennung fehlt. Der Kopfhörer pausiert nicht automatisch, wenn man ihn absetzt – ein Komfortmangel, den man bei einem Gerät in dieser Preisklasse eigentlich nicht erklären muss. Keine Ahnung, ob Apple das noch per Patch nachreichen kann und wird.


Tragekomfort: Fest, aber alltagstauglich

Der Anpressdruck ist spürbar – das lässt sich nicht wegdiskutieren. Für uns fällt er aber klar in die Kategorie alltagstauglich: kein Schraubstock über den Ohren, sondern ein fester, sicherer Sitz, der auch nach mehreren Stunden nicht zur Belastung wird. Weil dieser Punkt immer subjektiv ist, können wir keine generelle Einschätzung geben – wer mit straff sitzenden Kopfhörern grundsätzlich sensibel reagiert, sollte den 360 vor dem Kauf probegetragen haben. Für alle anderen und speziell angesichts der sportlichen Positionierung des Modells erscheint der nicht zu lockere Sitz folgerichtig: Ein Kopfhörer, der beim Sprint oder auf dem Rad nicht verrutscht, darf ruhig etwas mehr Halt mitbringen.

Der Kopfhörer mit Volt-Polstern in seiner Transporthülle.
Der Kopfhörer mit Volt-Polstern in seiner Transporthülle. Foto: buddy-Redaktion

Verbindung und Akku

Die Verbindungsqualität ist zuverlässig – unter iOS wie unter Android. Für iPhone-Nutzer integrieren sich die 360 nahezu nahtlos ins System, eine separate App ist nicht nötig. Android-Nutzer bekommen Fast Pair, Find Hub und die Beats-App. 32 Stunden Akkulaufzeit bei aktivem ANC sind ein starker Wert, Fast Fuel lädt in fünf Minuten eine weitere Stunde nach.

Was fehlt: ein USB-C-Audiomodus. Der Anschluss lädt nur, eine kabelgebundene Audiowiedergabe ist nicht vorgesehen – und bei 349,95 Euro legt Beats noch nicht einmal ein USB-C-Ladekabel bei. Wobei wir an dem Punkt angekommen sind, dass uns das ebenso wenig stört wie das nicht mehr beigelegte Ladegerät: Irgendwo im Haushalt findet sich immer etwas, allein über die Preisgestaltung für „echte“ Beats-USB-C-Ladekabel müssen wir lachen. Aber da niemand dazu gezwungen ist, diese textil umflochtenen Kabel mit Beats-Logo zu kaufen, kann man das auch getrost ad acta legen.

Der USB-C-Anschluss dient beim Beats 360 zum Laden.
Der USB-C-Anschluss dient beim Beats 360 zum Laden. Foto: buddy-Redaktion

Fazit

Die Beats 360 sind kein AirPods-Max-2-Killer – diese Erwartung ist überzogen und wird dem Produkt nicht gerecht. Sie sind eigenständig: ausgewogen klingend, mit einem Transparenzmodus auf hohem Niveau, einem modularen Polster-Konzept das zwischen echtem Komfort-Feature und Fashion-Statement pendelt, und einer sportlichen Positionierung, die sie von anderen Lifestyle-Kopfhörern abhebt.

Das Grundrauschen bleibt der Punkt, an dem man kurz innehalten sollte, bevor man kauft. Die fehlende Trageerkennung und das nicht beiliegende Ladekabel sind kleinere, aber bei diesem Preis unnötige Ärgernisse. Wer damit umgehen kann, bekommt einen der interessantesten Over-Ear-Kopfhörer des Jahres – für eine Zielgruppe, die ihren Kopfhörer als Alltagsbegleiter und Statement-Piece gleichermaßen versteht. Für YouTube-Creator, Fashionistas und alle, die tief im iOS-Ökosystem verwurzelt sind, werden die 360 schnell zur ersten Wahl.


Beats 360 | 349,95 € | Schwarz, Wolke, Pink, Himmelblau | Polster-Kits 59,95 € | beatsbydre.com