3.000 nits, 25 Tage Akku, 4 GB Speicher für Offline-Karten und ein BioCharge-Score, der sich den ganzen Tag aktualisiert. Die Amazfit Active Max will Sportuhr für alles und alle sein – und kommt dem sehr nah.
Wer Smartwatches kennt, kennt das Dilemma: Die Apple Watch hat die beste Software, Garmin hat die besten Sportfunktionen, jede von ihnen positioniert sich allerdings nicht im preislichen Einstiegssegment. Amazfit macht seit Jahren das, was gute Marken in diesem Szenario tun – man schaut genau hin, was die Großen können, und baut es für die Hälfte des Preises nach. Mit der Active Max, die seit Ende letzten Jahres erhältlich ist, geht der chinesische Hersteller diesen Ansatz konsequenter als je zuvor.
169,90 Euro ist der Kampfpreis für das Gebotene: Es gibt ein 1,5-Zoll-AMOLED-Display mit 3.000 nits – heller als so manches 400-Euro-Gerät – 4 GB Speicher für Offline-Karten und Podcasts, einen 658-mAh-Akku, der wochenlang durchhält, und BioCharge, Amazfits dynamische Energiebewertung, die nicht nur einmal morgens berechnet wird und dann den ganzen Tag gleich bleibt, sondern sich in Echtzeit anpasst. Das klingt nach viel? Ist es auch.
Das AMOLED-Panel: Shine on you crazy display
Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an. Das runde 1,5-Zoll-AMOLED-Panel löst mit 480 × 480 Pixeln auf – 323 PPI, scharfe Schriften, satte Farben. Mit bis zu 3.000 nits Spitzenhelligkeit ist die Active Max auch bei direkter Sonneneinstrahlung mühelos ablesbar. Einen kleinen Vorbehalt gibt es: Unter 30 % Akkustand drosselt die Uhr automatisch auf maximal 2.000 nits. Das ist noch immer mehr als ausreichend, fällt im Alltag aber gelegentlich auf.
Das Gehäuse aus Aluminiumlegierung mit Polymergehäuse misst 48,5 × 48,5 × 12,2 Millimeter und wiegt 39,5 Gramm ohne Armband. Es ist kein Gerät für zierliche Handgelenke – 48,5 mm Durchmesser sind eine Ansage. Wer damit zurechtkommt: Der Tragekomfort ist (trotzdem) hoch, weder beim Sport noch beim Schlafen drückt die Uhr unangenehm.
Akku: Eine Woche ist die Mindesterwartung
25 Tage Laufzeit im Normalbetrieb – das ist der Herstellerwert unter Laborbedingungen. In der Praxis, mit dauerhafter Herzfrequenzmessung, GPS-Sessions und immer aktivem Display, landet man eher bei 13 bis 14 Tagen bei intensiver Nutzung. Das klingt zunächst nach Ernüchterung, ist aber im Vergleich zur Konkurrenz immer noch bemerkenswert: Die Apple Watch (nicht: Ultra) schafft anderthalb Tage, die Samsung Galaxy Watch kaum drei.
Wer täglich trainiert, mehrere GPS-Sessions pro Woche hat und nebenbei Schlaf- und Herzfrequenzdaten rund um die Uhr trackt, wird die Active Max nicht täglich ans Kabel legen müssen. Der 658-mAh-Akku ist mehr als doppelt so groß wie der 270-mAh-Akku der Active 2. Bei reiner GPS-Nutzung hält er bis zu 64 Stunden durch – genug für einen Ultramarathon mit Reserven. Geladen wird über ein proprietäres Magnetdock, was der einzige echte Komfortnachteil ist. Zumindest ist das Patent mit der kompletten Amazfit-Produktfamilie kompatibel, man sucht also nicht immer genau den einen Ladeadapter, der sich gerade versteckt hat.
BioCharge: Der Score, der mitdenkt
Das Konzept der Erholungswerte ist in der Sportuhrenwelt nicht neu. Was Amazfit mit BioCharge anders macht: Der Score ist dynamisch. Er verändert sich nicht nur über Nacht und bleibt dann den ganzen Tag gleich, sondern aktualisiert sich in Echtzeit. Ein intensives Morgenlauf-Intervall? Score sinkt. Mittagspause mit Entspannung? Score steigt. Wer seinen Trainingsumfang ernsthaft steuern will, bekommt damit ein Werkzeug, das tatsächlich Relevanz im Alltag entfaltet. Wobei wir sagen müssen: Die Bewertungen waren in unserem Test eher wohlwollend (und damit vielleicht auch motivierend gemeint, den Uhrenträger zum Sport zu treiben).
Ergänzt wird das durch Zepp Coach, Amazfits KI-gestütztes Trainingsplanungstool. Es passt Empfehlungen auf Basis der tatsächlichen Workout-History und der BioCharge-Werte an – inklusive Hinweis auf Ruhetag, wenn Schlaf und Intensität der letzten Tage dagegen sprechen. Für knapp 170 Euro ist das bemerkenswert weit entwickelt.
Speicher und Navigation: 4 GB – mit Einschränkung
4 GB interner Speicher klingen üppig – und sind es im Vergleich zur Active 2 (rund 180 MB frei) auch. Allerdings belegt das Betriebssystem bereits 1,3 GB, sodass effektiv 2,7 GB für Offline-Karten, Zifferblätter und Inhalte übrigbleiben. Das reicht für regionalen Kartenzuschnitt mit Höhenlinien für Outdoor-Navigation, für mehr als 2.000 Skigebiete sowie für Podcast-Inhalte. Der Podcast-Player wurde dieses Jahr per Software-Update nachgereicht. Großer Malus für alle, die nur mit der Uhr und ein paar Kopfhörern in den Alltag oder ins Training starten wollen: Musik von der Uhr selbst abspielen ist möglich, allerdings ohne eigenen Musikspeicher – nur Smartphone-Steuerung via Bluetooth, womit man dann letzten Endes wieder ein Device mehr mit sich führen muss und die Musikplayer-Steuerung kann dann auch im direkten Austausch zwischen Headphones und Handy erfolgen.
Ein weiterer Wermutstropfen: Weil WLAN fehlt, läuft der Datentransfer ausschließlich über Bluetooth. Das macht das Aufspielen großer Karten zu einer Geduldsprobe. Wer komplette Europakarten erwartet, wird enttäuscht – Amazfit überträgt immer nur einen regionalen Ausschnitt auf die Uhr.
GPS: Gut, aber kein Dual-Band
Die Active Max verbindet sich über fünf Satellitensysteme – GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo und QZSS. Was fehlt: Dual-Band. In Praxistests zeigte die Uhr sehr genaue Ergebnisse auf offenen Strecken; auf einer 5-km-Runde wich sie gegenüber einem Garmin Fenix 7 mit Multiband-GPS maximal 20 bis 30 Meter ab. In dicht bebauten Innenstädten und engen Schluchten merkt man den Unterschied. Für die meisten Läufer, Radfahrer und Wanderer auf normalem Terrain ist das kein Problem. Wettkampf-Splits auf den Meter genau: lieber Dual-Band-Gerät.
170+ Sportmodi: Von Laufen bis HYROX
Über 170 Sportprofile sind auf dem Papier eine Menge. Im Kern zählen Laufen, Radfahren, Schwimmen, Krafttraining und Wandern – alle mit sauber aufgebauter Trainingserfassung. Der Krafttrainingsmodus erkennt automatisch Wiederholungen, Sätze und Pausen bei 25 Übungen. Und für die wachsende Hyrox-Community: Die Active Max hat einen eigenen Hyrox-Modus, der die spezifischen Workstations und Läufe des Formats direkt trackt.
5 ATM Wasserschutz bedeutet: Bahnen im Pool, Freiwasserschwimmen, Regen – kein Problem. Tauchen ist nicht vorgesehen.
Smartwatch-Funktionen: Bluetooth-Anrufe, NFC, Sprachsteuerung
Dank eingebautem Mikrofon und Lautsprecher lassen sich Anrufe direkt vom Handgelenk entgegennehmen – praktisch beim Training, wenn das (letztlich doch unerlässliche) Smartphone in der Tasche bleibt. Zepp Flow erlaubt Sprachsteuerung der Uhr. NFC mit Zepp Pay ist an Bord, leidet aber darunter, dass aktuell nur wenige deutsche Banken Zepp Pay unterstützen – das ist kein Fehler der Uhr, sondern ein strukturelles Problem der Plattform.
Zepp OS läuft angenehm flüssig. Wischen, Tippen, Navigieren funktioniert zuverlässig auch mit Handschuhen dank der physischen Tasten. Das App-Ökosystem ist dünn, und wer eine vollwertige Smartwatch sucht, die das Smartphone weitgehend ersetzt, sollte die Erwartungen entsprechend kalibrieren. Als Sportuhr, die nebenbei Benachrichtigungen weiterleitet: absolut in Ordnung.
Active Max vs. Active 2: Lohnt der Aufpreis?
Die Active 2 ist rund 70 Euro günstiger und für viele immer noch eine solide Wahl. Der Unterschied zur Active Max liegt in drei klaren Punkten: Das Display ist größer (1,5 vs. 1,32 Zoll) und deutlich heller (3.000 vs. 2.000 nits), der Akku ist mehr als doppelt so groß (658 vs. 270 mAh), und der interne Speicher für Offline-Karten und Podcasts ist erst ab der Active Max sinnvoll nutzbar. Wer intensiv draußen trainiert, GPS regelmäßig nutzt und keine Lust auf tägliches Laden hat: Die 70 Euro Aufpreis sind gut investiert.
Fazit: Die sinnvollste Sportuhr unter 200 Euro
Die Amazfit Active Max ist kein perfektes Gerät. Dual-Band-GPS fehlt, sie gibt es nur in Schwarz und einer Größe, das proprietäre Ladedock nervt, und Zepp OS braucht noch Entwicklungsarbeit. Aber für 169,90 Euro bekommt man ein Display, das selbst Apple-Watch-Ultra-Niveau erreicht, einen Akku der wochenlang durchhält, 4 GB Speicher für echte Offline-Navigation, und BioCharge als durchdachtes Trainingssteuerungswerkzeug. Das ist in dieser Preisklasse eine Kombination, die aktuell kein anderes Gerät so konsequent hinbekommt.
Wer eine Sportuhr sucht, keine Smartwatch – und das Beste aus dem Budget herausholen will: klarer Kauf.
Amazfit Active Max | 169,90 € | Schwarz | bereits erhältlich | de.amazfit.com
Amazfit Active Max
Smartwatch · Zepp OS · 169,90 €
Technische Daten
Display
1,5″ AMOLED
Helligkeit
3.000 nits
Auflösung
480 × 480 px
Akku
658 mAh / 25 Tage
GPS
5 Systeme (Single)
Speicher
4 GB (2,7 GB frei)
Wasserschutz
5 ATM
Gewicht / Maße
39,5 g · 48,5 mm
Wertung im Detail
Pro & Contra
Pro
- 1,5″ AMOLED mit 3.000 nits – auch in der Sonne
- 658 mAh – bis zu 25 Tage Laufzeit
- 4 GB Speicher für Offline-Karten & Podcasts
- BioCharge dynamisch über den Tag
- 170+ Sportmodi inkl. HYROX
- NFC / Zepp Pay (EMEA)
- 5 ATM – Schwimmen kein Problem
- Bluetooth-Anrufe & Zepp Flow Sprachsteuerung
Contra
- Kein Dual-Band-GPS
- Nur Schwarz / eine Größe (48,5 mm)
- Kein WLAN – Transfer nur per Bluetooth
- Kein Saphirglas
- Zepp Pay: wenige deutsche Banken
- Proprietäres Ladedock

