Feuer, Teig, 500 Grad und ein Balkon – fertig ist deine Pizza. Der neue Arc Lite von Gozney verspricht Profi-Performance im Miniformat. Wir haben ihn ausgiebig befeuert.
Ehrlich gesagt war ich skeptisch. „Arc Lite“ klingt nach abgespecktem Kompromiss, nach dem Budget-Modell, das man kauft, wenn man sich das „echte Ding“richtige“ Modell nicht leisten will. Und dann kommt der Gozney an, man stellt ihn auf den Tisch – und der Name trügt gewaltig. Der Arc Lite ist kein zahmer Kleiner, er ist eine ausgewachsene Ansage.
Gozney hat in den letzten Jahren den Markt für Outdoor-Pizzaöfen ordentlich aufgemischt. Mit dem Roccbox haben die Briten damals gezeigt, dass ein tragbarer Ofen echte Profi-Hitze liefern kann. Mit dem Arc und dem Arc XL haben sie 2024 noch einen draufgesetzt. Und jetzt, Anfang 2026, kommt der Arc Lite – das kleinste Mitglied der Arc-Familie, gedacht für alle, die wenig Platz haben, aber trotzdem keine Kompromisse bei der Qualität eingehen wollen.
First Look: Das sieht verdammt gut aus

Unboxing ist manchmal enttäuschend. Hier nicht. Der Arc Lite macht aus der Verpackung heraus schon klar, dass er kein Massenprodukt ist. Das Äußere – Keramikbeschichtung oben, hochwertiger Hitzeschutzlack unten, sauber verarbeitete Gummifüße und solide Tragegriffe – fühlt sich an wie ein Objekt, das du auch auf die Terrasse stellst, wenn du gar keine Pizza backen willst. Einfach weil es gut aussieht.
Das Format ist kompakt: 43 cm breit, 48 cm tief, 30 cm hoch. Damit passt er auf jeden Gartentisch, jede Balkonreling-taugliche Ablage und theoretisch auch in den Kofferraum, wenn du ihn zu Freunden mitnehmen willst. Mit 12 Kilogramm ist er kein Fliegengewicht, aber einer reicht zum Tragen locker aus.
Im Lieferumfang stecken neben dem Ofen selbst ein Flammenschutz, das praktische Steineinstellungstool, Gasschlauch und Regler (bereits vormontiert) sowie eine Kurzanleitung. Hier finden wir den ersten Kompromiss für die Preisklasse: Der Gasschlauchschnellanschluss, der uns zuletzt beim Outdoor-Modell Tread noch begeisterte, wurde hier durch einen Standardanschluss ersetzt. Einen Aufbau braucht es eigentlich nicht: Flammenschutz rein, Stein einlegen, Gasflasche anschließen, fertig. Von Karton bis Flamme vergehen keine drei Minuten.
Der Knopf ist alles

Das Bedienkonzept des Arc Lite könnte nicht simpler sein. Es gibt genau einen Regler: drücken zum Zünden, drehen zum Einstellen. Der Knopf sitzt vorne, gut sichtbar – kein Herumtasten, kein nervöses Suchen. Er hat zwei farbkodierte Zonen: Rot für volle Power (preheat, dünnbödige Neapolitaner), Blau für moderatere Hitze (New York Style, dickere Böden). Das war’s. Keine App, kein Display, kein Schnickschnack.
Genau das macht den Arc Lite so ein bisschen genial. Man konzentriert sich aufs Backen, nicht auf die Bedienung. Das ist die Philosophie dahinter: Wer Gozney kauft, will den Style und das Ergebnis genießen und nicht die Technik verwalten.
Was der Arc Lite im Vergleich zum größeren Arc nicht hat: kein integriertes Digitalthermometer. Der Ofen zeigt dir also nicht an, wie heiß der Stein gerade ist. Wer konsequent Neapolitaner backen will, sollte sich ein gutes Infrarotthermometer dazulegen – das ist keine Kritik, sondern schlicht ein Info, die man vor dem Kauf haben sollte. Die meisten Pizzaprofis nehmen ihr eigenes Thermometer sowieso immer mit.
Aufheizen: Schneller als erwartet

Gozney empfiehlt 20 Minuten auf voller Flamme, bevor die erste Pizza in den Backraum wandert. In der Praxis haben wir nach rund 15 bis 20 Minuten Steintemperaturen zwischen 400 und 450 °C gemessen – mehr als genug für authentischen Neapolitaner. Die Maximaltemperatur von 500 °C ist realistisch und kein Marketing-Versprechen.
Was das möglich macht, ist Gozneys charakteristische seitliche Rollflamme. Der Brenner sitzt links im Ofeninneren und wirft die Hitze quer über die Kuppel – die Flamme rollt praktisch über dem Stein und sorgt so für gleichmäßige Oberhitze, die du sonst nur aus Holzöfen kennst. Der 12 mm dicke Cordierit-Stein heizt schnell auf, verliert aber bei mehreren Pizzen in Folge auch schneller Temperatur als dickere Steine. Nach zwei, maximal drei Pizzen kurz regenerieren lassen – dann passt das.
Das Wichtigste: Wie schmeckt die Pizza?

Sehr gut. Wir haben über mehrere Sessions verschiedene Teige durchgeschleust – 24-Stunden-Kaltgare, klassischer Neapolitaner, etwas dickeren New York Style. Der Arc Lite hat sich bei allen Varianten souverän geschlagen.
Für echte Neapolitaner brauchst du nach dem Einschießen keine zwei Minuten. Wichtig ist, die Pizza regelmäßig zu drehen – alle 20 bis 30 Sekunden, weil die Hitze von links kommt. Ein Pizzawender ist Pflicht und sollte direkt beim Kauf mit im Warenkorb landen. Die erste Pizza? Leicht verbrannt, wie es sich gehört. Die zweite? Leopardenflecken am Rand, seidiger Belag, knuspriger Boden. Genau das, wofür man so ein Gerät kauft.
Die Flamme bleibt auch bei Wind und leichtem Regen stabil – haben wir ausprobiert, weil es eben draußen steht und das Wetter keine Rücksicht nimmt. Keine bösen Überraschungen.
Arc Lite vs. Arc vs. Konkurrenz
Der Arc Lite positioniert sich bewusst unter dem regulären Arc. Was fehlt: der dickere 30-mm-Stein des Arc, das Digitalthermometer und die etwas größere Backöffnung für 14-Zoll-Pizzen. Dafür wiegt er weniger, kostet rund 100 Euro weniger und passt auf deutlich kleinere Flächen.
Zum direkten Vergleich steht vor allem der Ooni Koda 12 im Ring – ebenfalls ein Gaspizzzaofen für 12-Zoll-Pizzen, ähnlicher Preisbereich (um die 400 Euro). Der Koda 12 ist kompakter und hat klappbare Beine, was ihn noch portabler macht. Der Arc Lite punktet mit besserer Verarbeitung, mehr Stil und – das ist subjektiv, aber eindeutig – mit deutlich schickererem Äußeren. Wer optischen Anspruch hat, kauft Gozney. Wer konsequent noch mehr in Richtung Outdoor- und Van-Life-Küche seine Anschaffung plant: Die hundert Euro für den Tread können in dem Fall gut investiertes Geld sein, weil er sich einfacher tragen lässt und weiteres (kostenpflichtiges) Zubehör bietet.
Für wen ist der Arc Lite?

Für alle, die endlich einen richtigen Pizzaofen wollen, aber keinen Garten der Extraklasse haben. Für Balkon-Besitzer, die nicht 15 Kilo auf zwei Quadratmetern parken wollen. Für Einsteiger, die keine Lust auf komplizierte Technik haben, aber trotzdem authentische Ergebnisse erwarten. Und für alle, denen der Arc schlicht zu groß und zu teuer ist.
Was du brauchst, um das volle Potenzial auszuschöpfen: ein Infrarotthermometer (ca. 15–20 Euro), eine vernünftige Pizzaschieber-Kombi (Gozney bietet passende Peels an, alternativ tut’s auch jede andere gute 12-Zoll-Variante) und etwas Geduld für die ersten ein, zwei Backversuche. Danach läuft das.
Fazit: Kompakt, heiß, empfehlenswert

Der Gozney Arc Lite macht genau das, was sein Name verspricht – und noch etwas mehr. Er ist leichter und kleiner als seine großen Geschwister, verliert dabei aber nichts von der DNA, die Gozney zu einer der besten Marken im Segment gemacht hat. Verarbeitung, Performance und Bedienbarkeit sind auf einem Level, das du in dieser Preisklasse bei kaum einem Konkurrenten findest.
Ja, es fehlt das Digitalthermometer. Ja, nur Propan. Ja, der Pizzastein ist dünner als beim Arc. Aber all das ist kein Dealbreaker – das sind bewusste Entscheidungen, um Preis und Format niedrig zu halten. Und das gelingt.
Wer einen ersten ernsthaften Pizzaofen für Balkon oder kleine Terrasse sucht und dafür um die 400 Euro investieren will: Der Arc Lite ist aktuell die stärkste Option in diesem Segment. Kauf ihn. Dann lad deine Freunde ein.
Pro
- Kompaktes Format, ideal für Balkon & Terrasse
- Erreicht professionelle 500 °C
- Extrem einfache Bedienung
- Premium-Verarbeitung und -Design in der Preisklasse
- Schnelle Aufheizzeit (~20 Min.)
- Stimmiges Gesamtpaket im Lieferumfang
Contra
- Kein digitales Thermometer (anders als Arc)
- Nur Propan/LPG, kein Erdgas
- Kein Holzbetrieb möglich
- Pizzastein nur 12 mm (Arc: 30 mm)
- Zubehör (Ständer, Peels) kostet extra
Copryright alle Fotos: Gozney
Gozney Arc Lite | ca. 399 € | gozney.com

