Corsair und Elgato verschmelzen Gaming-Keyboard und Makro-Controller zu einem einzigen Gerät – mit spannenden Ergebnissen. Buddy hat die Galleon 100 SD getestet.
Copyright: Corsair / Elgato
Wer als Streamer, Content Creator oder Power-User an seinem Setup arbeitet, kennt das Problem: Der Schreibtisch wird zunehmend zum Geräteparkplatz. Neben der Tastatur steht ein Stream Deck, daneben ein Drehregler-Pult, vielleicht noch ein zweiter Monitor für Statusanzeigen. Jedes dieser Tools erweitert die Möglichkeiten im persönliche Workflow, sorgt aber auch für Reibungsverluste. Mit der Galleon 100 SD versucht Corsair, dieses Problem an der Wurzel zu packen – und präsentierte das Gerät auf der CES 2026 als erstes seiner Art.
Das Konzept: Stream Deck statt Numpad
Die Corsair Galleon 100 SD ist eine kabelgebundene mechanische Tastatur im Full-Size-Format, bei der der klassische Nummernblock durch ein integriertes Stream-Deck-Modul ersetzt wurde. Dieses Modul besteht aus zwölf frei belegbaren LCD-Tasten, einem etwa fünf Zoll großen IPS-Display sowie zwei programmierbaren Drehreglern.
Die Idee ist so simpel wie konsequent: Wer seinen Numblock ohnehin selten nutzt, bekommt an dessen Stelle ein vollwertiges Makro- und Steuerungszentrum direkt im gewohnten Tastatur-Layout. Diese Stream-Deck-Steuerelemente können für Aktionen im Spiel, App-Verknüpfungen, Audioeinstellungen oder zur Überwachung von Systemstatistiken und Stream-Aktivitäten verwendet werden.
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Verarbeitung und Design
Bereits auf den ersten Blick vermittelt die Corsair Galleon 100 SD einen hochwertigen, wenn nicht sogar wuchtigen Eindruck – und das meinen wir durchweg positiv. Das Gehäuse besteht aus präzise gefrästem Aluminium und bringt ein beachtliches Gewicht von rund 1,4 Kilogramm auf die Waage – wodurch die Tastatur satt und rutschfest auf dem Tisch liegt.
Optisch kombiniert die Galleon 100 SD klassische Gaming-Elemente wie persönlich anpassbare RGB-Beleuchtung pro Taste und eine dezente Lichtleiste entlang des oberen Gehäuserands mit dem auffälligen Stream-Deck-Modul im rechten Bereich. Eine ergonomische Handballenauflage mit Memory-Foam-Polsterung gehört ebenfalls zum Lieferumfang und wird magnetisch befestigt. Die Tasten haben uns nach anfänglicher Eingewöhnung sehr gut gefallen, laufen sie etwas schmal nach oben zu. Ein etwas anderes Schreibgefühl als zum Beispiel bei einer Logitech MX Mechanical, aber der Druckpunkt überzeugt, das Tippgefühl ist sehr angenehm.
Die Tastenkappen bestehen aus robustem PBT-Kunststoff im Double-Shot-Verfahren – ein Qualitätsmerkmal, das gerade im Premium-Segment zu erwarten ist und für langlebige, abriebfeste Beschriftungen sorgt.
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Technik unter der Haube
Schauen wir mal mit der Nerdbrille in den Maschinenraum: Als Gaming-Tastatur positioniert sich die Galleon 100 SD klar im High-End-Bereich. Corsair setzt auf MLX-Pulse-Linear-Switches, die bereits werkseitig geschmiert sind und sich dank Hot-Swap-PCB ohne Löten austauschen lassen. Die Konstruktion nutzt eine Gasket-Mount-Struktur sowie mehrere Schichten akustischer Dämmung, um Tippgeräusche zu reduzieren und ein gleichmäßigeres Tippgefühl zu erzeugen.
Die Tastatur erreicht eine Polling-Rate von bis zu 8.000 Hz über Corsairs AXON-Technologie, wodurch Eingaben mit minimaler Latenz verarbeitet werden. Die FlashTap-SOCD-Verarbeitung ermöglicht sauberere Richtungsbewegungen und unterstützt fortgeschrittene Techniken ohne unbeabsichtigte Tastenkonflikte.
Das 5-Zoll-IPS-Display löst mit 1.280 × 720 Pixeln auf und zeigt Widgets, Systemdaten oder Profilinformationen in Echtzeit an. Die beiden Drehregler aus Metall sind beleuchtet und lassen sich sowohl drücken als auch drehen – jeder kontrolliert dabei zwei der vier Displayquadranten.
Am oberen Gehäuserand befinden sich außerdem drei USB-C-Buchsen: eine für die Hauptverbindung zum PC, eine weitere für den USB-Passthrough, über den sich externe Geräte direkt an der Tastatur anschließen lassen.
Für wen das jetzt zu viele böhmische Technikdörfer sind: Das Tippgefühl ist knackig, präzise und ohne Verzögerung – der Display-Part wirkt hochwertig und ist auch bei Tageslicht leuchtstark.
So funktioniert die Nutzung im Alltag
Die Galleon 100 SD unterstützt drei verschiedene Betriebsmodi, die unterschiedliche Nutzungsszenarien abdecken:
Hardware-Modus – Die Tastatur läuft vollständig ohne Software und greift auf gespeicherte Onboard-Profile zurück. Ideal für den schnellen Einsatz ohne Installationsaufwand.
Webbasierter Modus – Über den Corsair Web Hub lassen sich Tastenbelegungen, Makros und RGB-Beleuchtung direkt im Browser anpassen. Eine zusätzliche lokale Software ist dafür nicht notwendig.
Stream-Deck-Modus – Hier entfaltet die Tastatur ihr volles Potenzial. Profile teilen dem Stream Deck mit, welche Funktion die einzelnen Tasten oder Drehregler haben sollen. Smart Profiles können automatisch wechseln, wenn ein Spiel oder eine App in den Fokus rückt – die Tasten aktualisieren sich automatisch, sodass das Layout ohne manuelles Umschalten mit dem Bildschirminhalt synchronisiert bleibt.
Die Stream-Deck-Software von Elgato bietet mit zahlreichen Plugins und vorgefertigten Profilen einiges an Spielraum für die Individualisierung des persönlichen Workflows – von Wetter-Apps über Hardware-Infos bis hin zu Spotify, Photoshop oder Social-Media-Schaltflächen.
Wer bereits Erfahrung mit einem Elgato Stream Deck hat, kann bestehende Profile einfach übertragen. Für Einsteiger stellt der Elgato Marketplace eine wachsende Bibliothek an Community-Layouts bereit.
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Vor- und Nachteile im Überblick
✅ Vorteile
- Platzsparende All-in-one-Lösung – Stream Deck und Gaming-Tastatur in einem Gerät, weniger Gerätechaos auf dem Schreibtisch
- Hervorragende Verarbeitung – CNC-gefrästes Aluminiumgehäuse, PBT-Tastenkappen, solides Gesamtpaket
- Top-Gaming-Performance – 8.000-Hz-Polling-Rate und FlashTap-SOCD für kompetitive Ansprüche
- Flexible Betriebsmodi – Hardware-, Web- und Stream-Deck-Modus für unterschiedliche Nutzungsszenarien
- Hot-Swap-Schalter – Austausch der Switches ohne Löten, kompatibel mit 3- und 5-poligen Switches
- Vollständige Stream-Deck-Integration – Zugriff auf das gesamte Elgato-Ökosystem mit Plugins und Marketplace
- USB-Passthrough – praktischer Zusatzanschluss für Peripheriegeräte direkt an der Tastatur
- Mitgelieferte Handballenauflage – magnetisch befestigt, Memory-Foam-Polsterung für Langzeitsessions
❌ Nachteile
- Kein Nummernblock – wer regelmäßig Ziffern über den Numpad eingibt, muss darauf verzichten, das ist der Kompromiss, den man für die Steamdeck-Integration eingeht
- Hoher Preis – die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 350 Euro, was selbst im Premium-Segment eine erhebliche Investition darstellt
- Software-Abhängigkeit – für den vollen Funktionsumfang des Stream Decks ist die Elgato-Software erforderlich; aktuell werden für den Web Hub nur Chrome, Edge und Opera unterstützt – Firefox bleibt außen vor
- Keine iCUE-Integration – die fehlende Anbindung an Corsairs eigene iCUE-Software ist ein Schönheitsfehler, der die Tastatur als Einzelkämpfer innerhalb des Corsair-Ökosystems zurücklässt
- Lernkurve – die Tastatur verlangt dem Nutzer eine gewisse Leidenschaft fürs Tüfteln und Anpassen ab, besonders für Stream-Deck-Einsteiger
Fazit
Die Corsair Galleon 100 SD ist kein Gerät für jeden – aber für die richtige Zielgruppe ein beeindruckendes Werkzeug. Sie ist mehr als nur eine Tastatur: eine Schaltzentrale für alle, die Gaming, Streaming und Produktivität unter einen Hut bringen wollen. Wer seinen Schreibtisch entrümpeln möchte und bereits im Elgato-Ökosystem zuhause ist, wird die nahtlose Integration zu schätzen wissen. Wer hingegen seinen Nummernblock täglich braucht oder auf Rapid Trigger besteht, sollte sich anderweitig umsehen. Der Preis von 350 Euro ist hoch – angesichts der Tatsache, dass ein einzelnes Elgato Stream Deck bereits rund 140 Euro kostet, relativiert sich die Kalkulation allerdings merklich.

