Es gibt Uhren, die wollen alles sein. Smartwatch, Fitnesstracker, Kommunikationszentrale, Lebensberater. Und dann gibt es die Coros Pace 4 – eine Uhr, die genau weiß, was sie ist: eine verdammt gute Sportuhr für Leute, die laufen. Und zwar ernsthaft.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Die Pace 4 sieht aus wie eine Sportuhr und nicht wie ein Hingucker für die Mittagspause im Coworking-Space. Wer damit ins Meeting spaziert, wird keinen zweiten Blick ernten – und das ist völlig in Ordnung, denn diese Uhr wurde nicht als Technik-Flex, als „one more thing“ konzipiert. Sollen doch die anderen 3D-Hologramme an die Wand werfen und dabei einen Soundtrack in Dolby Atmos abspielen. Hier ist ein Spezialist mit einer Mission am Werk. Das 1,3-Zoll-MIP-Display ist nicht das schärfste auf dem Markt, aber bei strahlendem Sonnenschein auf der Runde durch den Wald liest man Pace, Herzfrequenz und Distanz ohne Verrenkungen ab. Garmin-Nutzer kennen das Prinzip.

Was Coros hier wirklich hinbekommt: die Akkulaufzeit. Grüße gehen raus an die Apple Watch 11. Bis zu 38 Stunden im GPS-Modus sind hier möglich. Wer Ultramarathons läuft oder einfach nur keine Lust hat, alle zwei Tage ans Ladekabel zu denken, wird die Pace 4 ins Herz schließen.

Unboxing & erster Eindruck

Das Gewicht? 40 Gramm mit Silikonarmband. Man vergisst sie am Handgelenk, bis sie vibriert und einen daran erinnert, dass man gerade seinen Kilometerrekord geknackt hat. In diesem Segment von Ultraleichtgewicht kann der Besitzer trotzdem nochmal Hand ans Finetuning legen: Mit dem Nylonband schraubt sich das Gewicht auf 32 Gramm runter, das entspricht einem Energy Gel. Der GPS-Chip arbeitet mit Multi-Band-Unterstützung präzise genug, dass man auch im dichten Stadtgewirr nicht plötzlich durch Häuserwände jogt.

Die Coros App ist schnörkellos und funktioniert – ein Satz, den man in dieser Kategorie öfter schreiben sollte, aber leider nicht kann. Trainingsplanung, Intervallprogramme, Laufanalyse: alles da, alles verständlich aufgebaut. Keine KI, die einem erklärt, wie man sich fühlt.

Dass Coros bei diesem Modell nicht müde wird, als besondere Funktion die Voice Pins und/oder Trainingslogs zu betonen, können wir nur bedingt nachvollziehen. Natürlich ist es ein nettes Gimmick, dass wir uns in die Trainingsaufzeichnung eine Sprachnotiz einfügen können. Aber nach ein oder maximal drei Mal war dieser Reiz auch direkt wieder verflogen, vielleicht haben wir es auch nicht komplett verstanden. „Netten Labrador bei Kilometer 2,5 gesichtet“ ist wohl keiner Aufzeichnung wert – viel eher haben wir die Funktion für all die Gedanken genutzt, über die man sich während des Gravel-Rides einen Kopf machen kann, sodass wir mit mehr für später eingesprochene Einkaufslisten als mit tatsächlichen Sport-Highlights zurückgekehrt sind.

Natürlich fühlt sich die Pace 4 im Coros-Ökosystem so richtig wohl und verbindet sich problemlos mit dem Dura Fahrradcomputer oder dem Coros HFM Herzfrequenzmonitor. (Und können wir hier nochmal betonen, wie viel angenehmer aus unserer Sicht ein (Ober-)Armband im Vergleich zu einem Brustgurt ist?)

Ist diese Uhr also die neue Jedermanns-Uhr? Nein, denn natürlich gibt es einen Haken. Der liegt weniger in dem, was die Pace 4 macht, als in dem, was sie weglässt: Smartwatch-Funktionen existieren, aber nur rudimentär. Wer WhatsApp-Benachrichtigungen, Sprachassistenten oder eine große App-Auswahl sucht, schaut in ein enttäuschtes Gesicht – nämlich das eigene. Ebenso fehlt eine Musikspeicherung direkt auf der Uhr, was bei einem reinen Sportgerät dieser Klasse ein bisschen schmerzt.

Fazit

Die Coros Pace 4 ist ein Spezialist in eigener Sache. Eine Uhr für Läufer, die keine Kompromisse beim Training wollen, aber auch keine Lust haben, 600 Euro und mehr auf den Tisch zu legen, um dann ein smartes Multifunktionsmonster am Arm zu tragen. Sie macht genau das, wofür sie gebaut wurde – und das besser als viele, die doppelt so viel kosten. Wer einen Begleiter für das Büro sucht, greift woanders zu. Wer einen für den nächsten Halbmarathon sucht: hier entlang.


Pro

  • Akkulaufzeit von bis zu 38 Stunden im GPS-Modus – Ultramarathon-tauglich
  • Nur 30 Gramm – man vergisst sie schlicht am Handgelenk
  • Multi-Band-GPS mit hoher Präzision, auch in der Stadt
  • Faire 299 Euro für den gebotenen Funktionsumfang
  • Saubere, übersichtliche App ohne Schnickschnack
  • Solide Verarbeitung und bewährtes MIP-Display bei Sonnenlicht

Contra

  • Kein Musikspeicher auf der Uhr – so kann man das Handy leider nicht zuhause lassen
  • Smartwatch-Funktionen nur Beiwerk, kein Kaufargument
  • Display-Schärfe nicht auf AMOLED-Niveau der Konkurrenz
  • Für alles jenseits von Laufen und Radfahren gibt es bessere Optionen